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Kennt Ihr die auch, diesen besonderen Schlag Mensch, der immer alles sofort gemacht oder beantwortet haben will?
Der in den Raum hinein kommt und den es überhaupt nicht interessiert, ob seine Zielperson gerade etwas ganz anderes macht?
Der sofort die Aufmerksamkeit einfordert und auch ERWARTET, dass der andere sich unverzüglich um sein Anliegen kümmert?
Und kennt Ihr andererseits diese Leute, die erst ganz entspannt das, woran sie sitzen, beenden, bevor sie sich Dir zuwenden?
Ja, auch das kann ganz schön nerven, wenn man unter Zeitdruck oder auch Handlungsdruck steht – und doch leben diejenigen deutlich stressfreier, gesünder und sich-selbst-wertschätzender!

Reinplatzen, loslassen – pure Unachtsamkeit oder respektlos?

Früher in meiner Festanstellung habe ich das so sehr gehasst!
Ob es mein Chef war, für den man die komplizierteste Übersetzung wegen Peanuts unterbrechen musste – die locker auch eine Stunde später hätten erledigt werden können;
der Klient, der am Telefon „so lange auf die Info wartet“, obwohl er Dich gerade aus einer komplizierten Excel-Liste heraus gerissen hat (in der Du schon seit Stunden zugange bist)
– oder aber auch Freunde, die schlichtweg gerade nur ihr eigenes Problem oder Anliegen im Sinn haben – statt darüber hinaus darauf zu achten, ob es gerade passt, Dich aus dem heraus zu reißen, was Du gerade machst…

Wir kennen es von Kindern, die jedes Gespräch unterbrechen und sich keine Gedanken darum machen, ob es gerade passt oder nicht. Häufiges Ergebnis: Sie werden überhört, ignoriert – oder es wird ihnen (hoffentlich) gesagt, dass sie bitte noch einen Moment warten sollen.
Kinder können diese Form des Respekts lernen – bei vielen Erwachsenen ist es leider zu spät.
Doch wo kommt das her, dieses „Ich bin jetzt sofort dran, egal was der andere gerade tut“-Erwarten?

Warten tut keiner gern

Klar warten wir alle nicht gern, doch was bei Kindern noch aus einem halbwegs natürlichen Drang heraus geschieht, akzeptiere ich bei Erwachsenen gar nicht gern! Im Gegenteil: Entweder mache ich tatsächlich erst das fertig, wo ich gerade dran bin, oder ich ärgere mich! Vor allem über mich selbst: dass ich etwas für jemanden unterbrochen habe – nur um heraus zu finden, dass dessen suuuuperwichtige Frage/Aufforderung auch locker noch eine Stunde später gereicht hätte.
Klar wartet niemand gern, doch im respektvollen Miteinander sollte es für jeden von uns heute mehr als wünschenswert, wenn nicht sogar selbstverständlich sein, erst einmal die Situation abzuchecken, in die man gerade hinzu kommt.
Was macht der andere, wie geht es ihm dabei, ist er dabei sehr konzentriert; sieht es so aus, als könnte mein Anliegen gerade passen oder wäre etwas später sinnvoller? Auch die Frage, ob derjenige gerade zuhören kann, finde ich heutzutage wirklich wichtig.
Niemand, und das meine ich genau SO

NIEMAND hat das Recht, in Deinen Dunst- oder Tätigkeitskreis so einzubrechen, dass Du von jetzt auf hopp alles stehen und liegen zu lassen hast!!!

Woher nimmt sich jemand das Recht, dass sein Anliegen wichtiger ist als das was Du gerade tust???

Es liegt an Dir
Wie Du damit umgehst und wie Du es betrachtest, liegt natürlich voll und ganz an Dir.
Klar renne ich los und lasse alles stehen und liegen, wenn ein Kind in den Pool fällt, mein Hund angegriffen wird oder mein Schatz von der Leiter fällt.
Doch abgesehen von diesen und ähnlichen Notfällen erwarte ich schon soviel Empathie und Respekt, dass wenigstens hingeguckt wird und nicht automatisch das Anliegen des anderen den Vorrang vor meiner aktuellen Beschäftigung hat – und wenn es Meditieren ist und für jemand anderen so aussieht, als täte ich nichts. :-)

Einfordern ist allerdings unsere eigene Sache, denn solange so etwas demjenigen nicht „gesteckt“ wird, wird er so weiter machen – und da stellt sich dann die Frage, inwiefern wir selbst unsere eigene Zeit bzw. deren Nutzung/Ausfüllen selbst (wert-)schätzen.
Wenn wir es nicht tun, warum sollte es ein anderer???
Auch der Grund, warum wir uns dann ärgern, kann anders betrachtet werden: Für den einen (mich) ist es eine enorme Achtlosig- und Respektlosigkeit, der nächste sieht es nur als etwas Gedankenloses, Unachtsames an.
Sicher macht es letztere Sichtweise leichter und erzeugt weniger Ärger, doch je näher man sich steht, umso verletzender kann auch dieses sein.

Das betrifft “Normal-Zwischenmenschliche” Beziehungen ebenso wie Auftraggeber-Auftragnehmer-Konstellationen.
“Mal eben” schreibt sich kein guter Artikel; “Zwischendurch eingeschoben” macht sich keine fundierte Recherche, “eben mal” ein Lektorat? Hey, denkt der andere, ich sitze die ganze Zeit däumchendrehend vor dem Rechner und warte NUR AUF IHN?
Der Kunde/Klient ist König – doch ich bin nicht sein Sklave – und meine Arbeit/Dienstleistung weiß Gott nicht “mal eben” produzierbar.
Gute Arbeit will “innerlich geboren” werden – und außerdem spricht für mich aus so kurzfristigen “Mal eben”-Anfragen oder 2-Tages-Deadlines wenig Wertschätzung für die tatsächliche Arbeit, den Aufwand – und meine Zeiteinteilung.
Wer mich also Freitags-abends um 22h anschreibt und für Montag-früh einen 1000-Worte-Artikel – natürlich top recherchiert, unique und technisch 1a geschrieben – erwartet, zeigt mir ganz klar:
Nicht mein Ideal-Klient; nicht die Art von Mensch, mit der ich zusammen arbeiten mag…

Also bin ich mal wieder der Erklärbär – und hoffe, Euch mit diesem Luft-machen in Puncto Wertschätzung auch ein wenig auf den Weg mitgegeben zu haben. :-)

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